Artenvielfalt in Groß Lengden fördern - Gesprächskreis im Pfarrhaus

09. Januar 2020

Am 9. Januar 2020 trafen sich im Pfarrhaus Vertreter des Ortsrates Groß Lengden, des Kirchenvorstandes, der Feldmarksinteressentenschaft und der Realgemeinde, um über Möglichkeiten zu beraten, die Artenvielfalt in Groß Lengden zu fördern. Die Biologin Heike Albrecht lieferte den thematischen Einstieg zu Fakten und Hintergründen, zu Folgen und Ursachen des Artenverlustes.

Die Referentin nahm auch Vorschläge für Handlungsoptionen im Ort und im näheren Umfeld in ihren Vortrag auf. Sie wies auf die Bedeutung naturnaher, artenreicher Gärten hin, in denen heimische, attraktive Blütenpflanzen wie zum Beispiel Natternkopf, Heilziest, Herzgespann oder Rainfarn wachsen und vielen Insektenarten ein ausreichendes Nahrungsangebot bieten könnten. Partiell auch über den Winter belassene Staudenstreifen und Wiesenpflanzenangebote stellten für viele Insektenarten wichtige Bereiche zur Eiablage und zum Überwintern dar.

Auch im öffentlichen Raum könnten Insektennisthilfen, blühpflanzenreiche Freiflächen, artenreiche Wegesränder, Nisthügel für bodenbrütende Wildbienen und Ähnliches einen großen Beitrag zur Artenvielfalt leisten. Die Referentin hob das große Engagement von Groß Lengdener Landwirten zur Rückgewinnung blütenreicher Wegeränder, artenreicher Acker- und Wildkräuterflora sowie extensiver Weidetierhaltung hervor; Groß Lengden könne hier durchaus eine Vorbildfunktion für andere Gleichener Orte einnehmen.

Für Groß Lengden selbst haben – so die Referentin – die beiden inzwischen weitgehend zugewachsenen ehemaligen Steinbrüche hinter dem Feuerwehrhaus und an der Straße Zur Lengder Burg eine besondere Bedeutung. Die wärmespeichernden Abbruchkanten hätten noch vor wenigen Jahrzehnten einen extrem hochwertigen Lebensraum für viele wärmeliebende Arten geboten. Um die dort mögliche Artenvielfalt zurüch zu gewinnen, müssten diese Bereiche allerdings wieder freigestellt werden. Zusammen mit der Anlage fischfreier Laichgewässer zum Beispiel auf Freiflächen würde ein immenser Beitrag für die Artenvielfalt geleistet werden und vielen Amphibienarten ein Lebensraum angeboten werden.

Ein hohes Potenzial  für die Umsetzung von Projekten sah die Referenten in der Initiierung von Bürger-Mitmach-Aktionen. Damit würden einerseits die Umsetzungen von Ideen auf mehr Schultern verteilt, andererseits vielfältige Kompetenzen ortsansässiger Fachleute und Bürgerinnen und Bürger zusammengeführt und schließlich ein breiteres Verständnis für Natur- und Artenschutzvorhaben in der Bevölkerung geweckt und gefördert.

Die Anregungen der Referentin wurden in der folgenden Gesprächsrunde positiv aufgenommen und vertieft. Eines der Projekte, das baldmöglichst umgesetzt werden sollte, war die Nutzung von Freiflächen auf dem Friedhof, die sich für Inseln oder Streifen von Blühpflanzen anbieten.