Artenvielfalt in Groß Lengden fördern - Stand auf dem Friedhofsgelände

11. Juni 2020


Im Januar diesen Jahres hatten sich im Pfarrhaus Vertreter verschiedener Gruppen aus Groß Lengden zusammengesetzt, um über das Thema Artenvielfalt in Groß Lengden zu sprechen. Die Biologin Heike Albrecht machte in ihrem Einstiegsvortrag einige grundlegende Anmerkungen zum Thema, ging dann auch auf einige spezielle Aspekte unseres Dorfes ein. 

In der anschließenden Gesprächsrunde wurden Ideen ausgetauscht und Pläne gemacht. Eine der Überlegungen bezog sich damals auf größere Rasenflächen auf dem Friedhof in Groß Lengden.

 

Dieser Vorschlag wurde schnell aufgegriffen: Nach einem Ortstermin mit verschiedenen Beteiligten entwickelte der Biologe Thomas Fechtler ein Konzept für die unterschiedliche Mahd der südlichen Rasenfläche sowie die Anlage und Bepflanzung eines Teilbereiches dieser Fläche.

In der Folgezeit wurden auf dem Friedhof acht etwa 4qm große Flächen angelegt, Ortsbürgermeister Detlef Buhr bereitete gemeinsam mit Sebastian Gersting die Pflanzflächen vor, Thomas Fechtler beschaffte die Pflanzen und brachte sie aus.

 

 

Aufgrund von coronabedingten Lieferengpässen war das vorgesehene Saatgut größtenteils nicht erhältlich, so dass der ortsansässige Biologe Thomas Fechtler nur auf Saatgut aus eigenen Beständen zurückgreifen konnte.

Ergänzend brachte er daher blühfähige Jungpflanzen ein, die entweder ebenfalls aus eigenen Beständen stammten, teils aber auch extra für das Projekt angezogen wurden. Sämtliche Jungpflanzen sind angewachsen.

Die sonnenreichen und trockenen Tage der vergangenen Monate ließen die eingebrachten Samen trotz regelmäßiger Bewässerung aufgrund der hohen Verdunstungsrate z.T. nur spärlich keimen. Aufgrund der langanhaltenden Dürre ist der Zuwachs bei den Keimlingen und Jungpflanzen bisher geringer als erhofft.

 

Seit Mai steht nun der Acker-Senf leuchtend gelb in Blüte, ein Kreuzblütler (Brassicaceae), der als einjährige Art zu den wildwachsenden Ackerpflanzen gehört. Erfreulicherweise konnten bereits zahlreiche Insektenarten wie Schwebfliegen, Schmetterlinge, Wanzen und Käfer u.v.m. beim Blütenbesuch beobachtet werden. Auch die seltene Blauschillernde Sandbiene (Andrena agilissima), ein Nahrungsspezialist mit Acker-Senf als Hauptpollenquelle, die in Steilwänden und lückigen Böschungen nistet, nutzte das Nahrungsangebot.

Ebenfalls selten: die Schöterich-Mauerbiene (Osmia brevicornis), ein Nahrungsspezialist auf Kreuzblütler, die totholzreiche Waldränder und Streuobstbestände besiedelt und in Hohlräumen wie Pflanzenstängeln oder Insektenfraßgängen nistet.

Wie ist der Stand im Juni?

Das Überblicksfoto scheint wenig Spektakuläres zu zeigen: Im Hintergrund der gelb blühende Senf, der vorne wachsende Rainfarn blüht noch nicht.

Aber, wie oft in der Natur, lohnt es sich, einmal genauer hinzuschauen. Welcher Nicht-Biologe hätte gewusst, dass es sich bei den oben gezeigten Insekten um seltene Bienenarten handelt? Und es braucht  etwas Geduld, Natur lässt sich nicht hetzen.

 

Schön, dass aus den Überlegungen und Vorschlägen vom Januar wirklich etwas geworden ist. Vielen Dank an alle, die daran mitgearbeitet haben und das Projekt auch weiterhin betreuen.