Ein Schiff ist unterwegs - Predigttext

23. Januar 2024
Unterwegs (Foto: Albrecht Fietz auf Pixabay)
Unterwegs (Foto: Albrecht Fietz auf Pixabay)

Die Neujahrsempfänge in Klein Lengden und Groß Lengden beginnen traditionell mit Gottesdiensten, die dieses Jahr von Prädikantin Raupach gehalten wurden. Ilona Raupach arbeitet auch als Gemeindesekrerärin bei uns, sie ist mit den Entwicklungen in den beiden Gemeinden sehr gut vertraut, ebenso wie mit den Entwicklungen in der Region und dem Kirchenkreis. Dies spiegelt sich deutlich in ihrer Predigten wieder, die uns Ilona Raupach in den Gottesdiensten vor den jeweiligen Jahresempfängen gehalten hat und die sie uns  zur Verfügung gestellt hat. Die Predigt wurde eingeleitet von dem Lied: "Ein Schiff das sich Gemeinde nennt".

Ein Teil der Mannschaft (Foto: Gabrielle Gwyther auf Pixabay)
Ein Teil der Mannschaft (Foto: Gabrielle Gwyther auf Pixabay)

 

 

Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt, fährt durch das Meer der Zeit.
Das Ziel, das ihm die Richtung weist, heißt Gottes Ewigkeit.
Das Schiff, es fährt vom Sturm bedroht durch Angst, Not und Gefahr,
Verzweiflung, Hoffnung, Kampf und Sieg, so fährt es Jahr um Jahr.
Und immer wieder fragt man sich: Wird denn das Schiff bestehn?
Erreicht es wohl das große Ziel? Wird es nicht untergehn?

(REF)
Bleibe bei uns, Herr!
Bleibe bei uns, Herr,
denn sonst sind wir allein
auf der Fahrt durch das Meer.
O bleibe bei uns, Herr!

Das Schiff, das sich Gemeinde nennt, liegt oft im Hafen fest,
weil sich’s in Sicherheit und Ruh bequemer leben lässt.
Man sonnt sich gern im alten Glanz vergangner Herrlichkeit,
und ist doch heute für den Ruf zur Ausfahrt nicht bereit.
Doch wer Gefahr und Leiden scheut, erlebt von Gott nicht viel.
Nur wer das Wagnis auf sich nimmt, erreicht das große Ziel!

 

 

 

Ein wild zusammengewürfelter Haufen ist heute an Bord. Große und Kleine, Alte und Junge.

Solche, die einer meiner Söhne als „Kirchenmenschen“ bezeichnen würde und solche, deren Terrain eher auf anderen Gebieten liegt. Und dennoch: Wir sitzen irgendwie alle in einem Boot…

Einige haben das Ruder in der Hand.
Einige tragen den Gemeindebrief aus.
Eine spielt die Orgel.
Einige singen im Chor.
Einige besuchen regelmäßig den Gottesdienst.
Eine betet mit ihrem Kind vor dem Schlafengehen.

Einer hat sein Herz an die Kirche verloren – trotz der Unwegsamkeiten.
Einige organisieren das Krippenspiel
Einer läutet die Glocken und sorgt für Blumen auf dem Altar.
Einige lieben es Feste vorzubereiten und die Gemeinde einzuladen.
Und dann gibt es noch diejenigen, die Besuche machen, sich um andere kümmern, für die Kirche im Dorf schreiben, sich über Gebäude und Ländereien Gedanken machen und vieles mehr….

Die Kinder oder Jugendlichen – werden hier getauft, gehen in die ev. Kita, in die Grundschule vor Ort. Dann werden sie konfirmiert, und vll. auch hier - in IHRER Gemeinde getraut – lassen dann ihre Kinder hier taufen….

Ruder (Foto: Gaertringen auf Pixabay)
Ruder (Foto: Gaertringen auf Pixabay)

Davon lebt die Gemeinde. Nicht nur die Kirchengemeinde, auch der Ort lebt durch Menschen, die sich verbunden, die sich hier zu Hause fühlen.

Dieses Schiff, das sich Gemeinde nennt hat verschiedene Ruder. Den aktiven Menschen und den jeweiligen Anforderungen angepasst.

Es gibt Zeiten, in denen sich nichts ändert. Das Schiff liegt sicher im Hafen oder vor Anker, lässt sich treiben und schaukelt gemütlich auf den Wellen. Die Mannschaft ist nicht sonderlich gefordert. Alles wird weiterhin so behandelt und geregelt wie gehabt.

Wir sitzen an Deck und denken, dass es immer so weitergehen wird.

Rauhe See (Foto: Dimitris Vetsikas auf Pixabay)
Rauhe See (Foto: Dimitris Vetsikas auf Pixabay)

Doch plötzlich frischt der Wind auf. Die Wellen türmen sich haushoch. Wir müssen uns entscheiden: Bleiben wir im sicheren Hafen und zerschellen an der Kaimauer, lassen wir den Sturm einfach vorüberziehen oder werden wir aktiv.

In solch stürmischen Zeiten legen wir uns besonders in die Riemen. Momentan bläst der Wind uns in allen Lebensbereichen kräftig entgegen.

Die dunklen Wolken der politischen Großwetterlage, Kirchenaustritte, Sparmaßnahmen der Landeskirche. All das lässt uns zweifeln – manchmal auch verzweifeln. Die Brandung tost und schäumt im Land: Angst ist ihr Name: Angst vor Attentaten, Angst vor Krieg, Angst vor Rechtradikalismus, Angst vor der Zukunft im allgemeinen…

Aber wir rudern tapfer weiter. Gegen den Sturm. Gegen die Wellen. Gegen die Brandung. Gegen die Pein, die das Rudern – ohne Land in Sicht – so mühsam macht…

Gemeinsam (Foto:2719743 auf Pixabay)
Gemeinsam (Foto:2719743 auf Pixabay)

Im Schiff, das sich Gemeinde nennt, muss eine Mannschaft sein,
sonst ist man auf der weiten Fahrt verloren und allein.
Ein jeder stehe, wo er steht, und tue seine Pflicht,
wenn er sein Teil nicht treu erfüllt, gelingt das Ganze nicht.
Und was die Mannschaft auf dem Schiff ganz fest zusammenschweißt
in Glaube, Hoffnung, Zuversicht, ist Gottes guter Geist.

Im Schiff, das sich Gemeinde nennt, fragt man sich hin und her:
Wie finden wir den rechten Kurs zur Fahrt im weiten Meer?
Der rät wohl dies, der andre das, man redet lang und viel
und kommt – kurzsichtig, wie man ist – nur weiter weg vom Ziel.
Doch da, wo man das Laute flieht und lieber horcht und schweigt,
bekommt von Gott man ganz gewiss den rechten Weg gezeigt!

Der Platz des Steuermanns - der Steuerfrau (Foto: wasi1370 auf Pixabay6334)
Der Platz des Steuermanns - der Steuerfrau (Foto: wasi1370 auf Pixabay6334)

Eine Mannschaft hat dieses Schiff. Eine Mannschaft, die nicht nur abwartet, sondern auch aktiv wird. Eine Mannschaft, die schon fast 2 Jahre ohne Kapitän über die stürmische See der Kirche fährt – aber die Ruder fest in der Hand hat und behält.

Ich bin seit fast 3 Jahren Mitglied dieser Crew. Und ich ziehe meinen Hut vor dem Kirchenvorstand, der sich so viel traut. Ich bin mehr der Moses – der Schiffsjunge – bzw. Mädchen auf den Schiffen Groß Lengden und Klein Lengden. Das heißt – das war ich – bis zum 31.12. Jetzt fahre ich auf einem anderen, einem neuen Schiff mit. Es ist größer, hat den Gezeiten und Schlechtwetterbedingungen mehr entgegenzusetzen.

Liebe Gemeinde, die Kirchenvorstände aus Groß Lengden und Klein Lengden haben einen historischen Schritt gewagt. Sie haben die beiden Gemeinden zu einer zusammengefügt. Das Schiff heißt jetzt, ganz offiziell seit dem 01. Januar 2024: Evangelisch - lutherische Kirchengemeinde Lengder Burg.

Unsere Reise durch das Meer der Zeit geht aber weiter. Anfangs werden wir uns noch stark mit den formellen Veränderungen auseinandersetzen müssen. Bei der Kirchenvorstandswahl am 10. März – bitte merken sie sich den Termin schon einmal – wird ein Gesamtvorstand gewählt.

Karte und Kompass (Foto: schaeffler auf Pixabay)
Karte und Kompass (Foto: schaeffler auf Pixabay)

Es wird eine Zeit dauern, bis wir die Segel setzen, uns an Deck in die Sonne legen und ein wenig ausruhen können. Aber die Zeit wird kommen und ich bin gewiss, bis dahin und auch darüber hinaus behalten wir die Ruder in der Hand: Verteilen Gemeindebriefe, feiern Gottesdienste mit Musik und viel Gesang, öffnen die Kirche für Besucher, organisieren Krippenspiele, kümmern uns um die Immobilien und Ländereien, Beten mit Kindern, Taufen, trauen und vertrauen darauf, dass Gott uns führen und leiten wird.

Als Kompass haben wir die Bibel. Als Navigator Jesus Christus, der uns vorlebte, wie eine friedliche Welt gelingen kann. Als Wind, der in Segel bläst - nehmen wir den Heiligen Geist an Bord – der uns die Anstrengung des Ruderns erleichtert und uns dabei hilft auf Kurs zu bleiben.

Bei stürmischer See kann die Mannschaft sich gegenseitig in Nächstenliebe unterstützen und bestärken. Manchmal, wenn die Liebe nicht stark genug ist, geht auch jemand von oder schlimmstenfalls sogar über Bord. Das ist leider nicht immer zu verhindern. Nicht jeder sieht sich dazu in der Lage immer mit zu rudern und macht seinen Platz deshalb für andere frei.

Wir sollten dann aber nicht ärgerlich sein, sondern uns an die Jahreslosung erinnern:

Alles, was ihr tut, geschehe aus Liebe!

Aus Liebe zum Glauben, aus Liebe zu meinem Nächsten, aus Liebe zu der Gemeinde, aus Liebe zu der Gemeinschaft.

Liebe Gemeinde, Ich glaube fest daran, dass das Schiff Lengder Burg auf einem guten Kurs liegt und das Ziel nicht aus den Augen verliert. Trotz aller Anstrengung lohnt es sich die Gemeinde, die Gemeinschaft, zusammenzuhalten und ihr einen sicheren Hafen zu bieten.

Amen